Blutgruppen – Rhesusfaktor

Ein weiteres großes Blutgruppensystem stellt das Rhesussystem auf der Grundlage des Rhesusfaktors dar. Der Rhesusfaktor wird dabei meist als „positiv“ oder „negativ“ mit der Blutgruppe des AB0-Systemes genannt. Doch was genau ist der Rhesusfaktor und welche Rolle spielt der Rhesusfaktor bei einer Schwangerschaft?
Neben dem AB0-Blutgruppensystem spielt der Rhesusfaktor eine entscheidende Rolle im klinischen Alltag. Seine Wichtigkeit erlangt er vor allem durch das Erkrankungsbild des Morbus haemolyticus neonatorum. Hierbei steht eine Inkompatibilität von mütterlichem und kindlichem Blut im Fokus der Erkrankung.

Rhesusfaktor – Was ist das?

Der Rhesusfaktor stellt ähnlich den Antigenen des AB0-Blutgruppensystemes ein Oberflächenprotein auf der Zellwand der roten Blutkörperchen dar. Hierbei besteht das Rhesussystem aus mehreren artverwandten Proteinen, dessen wichtigster Vertreter die Abkürzung „D“ trägt. Der Einfachheit möchte ich mich im folgenden auf den Faktor D beschränken.

Rhesusfaktor – Einteilung

BlutgruppenDie Einteilung des Rhesussystemes erfolgt nun ziemlich einfach nach dem Vorhandensein des Faktors. Entweder das Rhesusprotein (= Rhesusfaktor) ist vorhanden (Rhesus-positiv, Rh+) oder aber den roten Blutkörperchen fehlt dieses Protein (Rhesus-negativ, Rh-). Mit circa 70 Prozent Anteil an der Bevölkerung ist der Faktor Rhesus-positiv am weitesten verbreitet.

Rhesusfaktor – Vererbung

Die Vererbung des Rhesusfaktores erfolgt mittels der Genvarianten D gleich Rhesus-Antigen vorhanden (Rh+) und d gleich Rhesus-Antigen nicht vorhanden und somit Rh-.
Auch das Rhesussystem folgt einem dominant-rezessiven Erbgang, was die Häufigkeitsverteilung in der Bevölkerung gut wiederspiegelt. Der Faktor D verhält sich dabei dominant gegenüber dem rezessiven Faktor d. Dies bedeutet, dass sich der Faktor D gegenüber d durchsetzt, sollten beide Genvarianten vorliegen.

Rhesusfaktor – Antikörperbildung und Agglutination

Ähnlich dem AB0-System sollten auch im Rhesussystem Antigene und Antikörper stets getrennt werden. Jeder Mensch, der keine Rhesus-Antigene trägt (also rh- ist) bildet nach Kontakt mit rhesus-positivem Blut Antikörper gegen den Rhesusfaktor aus.

Kommt es zum erneuten Kontakt mit rhesus-positivem Blut kann der Körper so mittels Antigen-Antikörper-Reaktion die fremdem Antigene bekämpfen. Die Blutkörperchen verklumpen (agglutinieren) und werden so aus dem Verkehr gezogen

Morbus haemolyticus neonatorum

Der Morbus haemolyticus neonatorum ist eine gefürchtete Komplikation im Laufe der Schwangerschaft, welche mit einer Zerstörung der kindlichen Blutkörperchen einhergeht. Die Ursache für diese Erkrankung kann neben dem AB0-Bluttgruppensystem auch im  Rhesussystem liegen.

Schwangerschaft
Der Morbus haemolyticus neonatorum setzt dabei voraus, dass die Mutter rhesus-negatives und das Kind rhesus-positives Blut besitzt. Die erste Schwangerschaft verläuft dabei in der Regel problemlos, da kindliche Blutkörperchen keinen Kontakt zum mütterlichen Blut erhalten. Erst im Laufe der Geburt kann es durch kleine Blutungen dazu kommen, dass sich mütterliches und kindliches Blut vermischen. Das so aufgenommene rhesus-positive Blut des Kindes führt bei der Mutter anschließend zur Ausbildung von Rhesus-Antikörpern.
Tritt eine weitere Schwangerschaft mit einem rhesus-positiven Kind auf, können die nun neu gebildeten Antikörper die Plazenta-Schranke überwinden und die kindlichen Blutkörper angreifen. Es folgt eine Zerstörung der kindlichen Blutkörperchen.

Morbus haemolyticus neonatorum – Vorbeugung

Um eine Gefährdung des Kindes auszuschließen stehen mehrere diagnostische Möglichkeiten bereit. Neben der Blutgruppenbestimmung kann zu Beginn einer Schwangerschaft auch gezielt nach schädlichen Antikörpern gesucht werden.

Eine weitere Möglichkeit der Vorbeugung stellt die seit den 60er Jahren verfügbare Anti-D-Prophylaxe dar. Hierbei werden der Mutter nach der Geburt gezielt Rhesus-Antikörper verabreicht. Diese künstlichen Antikörper sind nun in der Lage die kindlichen Blutkörper abzufangen bevordie Mutter mit der Antikörperausbildung beginnen kann.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Anti-D-Prophylaxe ist somit, dass diese unmittelbar nach der Geburt verabreicht wird, da ansonsten die Antikörperbildung bereits angelaufen ist.
Weitere Informationen zum Rhesussystem und dem Morbus haemolyticus neonatorum findest du auf den folgenden Webseiten, welche ich als Quelle für diesen Artikel genutzt habe:

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