Streptokokken – Teil 2

Die Streptokokken zählen zu den grampositiven Kokken. Ihren Namen verdanken sie ihrer Erscheinungsform als lange Ketten. Ähnlich einer Perlenschnur sind so die einzelnen Bakterien in langen Schlangen aneinandergereiht. Neben einer gutartigen Besiedelung des Körpers treten Streptokokken häufig auch im Zusammenhang mit Infektionen auf. Alle Informationen zu diesen Bakterien im heutigen Teil der Artikelserie „Unsichtbare Gefahr – Bakterien“.

Als zweiten Teil der Artikelserie Unsichtbare Gefahr – Bakterien stelle ich euch heute die Streptokokken vor. Diese sind grampositive Bakterien in Kugelform (Teil 1 der Serie) und bilden die Ursache zahlreicher Infektionen.

Einteilung der Streptokokken

Streptococcus-pyogenesAufgrund der großen Anzahl an verschiedenen Streptokokken wurden unterschiedliche Einteilungsverfahren eingeführt.

Das Hämolyseverhalten beschreibt die Wirkung der Streptokokken auf Blutkörperchen. Die Beta-Hämolysierenden Arten erscheinen dank ihrer vollständigen Hämolyse (= kompletter Abbau von Blutkörperchen) als durchsichtige Kolonien auf Blutagar. Im Gegensatz dazu zeigen sich Alpha-Hämolysierende Streptokokken durch eine grünlich umrandete Färbung der Kolonie. Dieses Phänomen ist auch als inkomplette Hämolyse bekannt. Die letzte Gruppe der Streptokokken, die so genannten Gamma-Hämolysierenden, zeigen keine Wirkung auf Blut und entsprechen somit keiner optischen Veränderung auf Blutagar.

Eine weitere Einteilung erfolgt nach Lancefield. Hierbei dient ein zellwandassoziiertes C-Polysaccharid als Differenzierungskriterium. Die Gruppenbildung erfolgt anhand von Buchstaben in Serogruppen A bis W.

Streptococcus Pyogenes

Mandelentzündung nach StreptokokkenAls ersten großen Vertreter der Streptokokken ist der Streptococcus pyogenes (eiterbildend) zu nennen. Neben einer eigenen Streptokinase, welche vom Körper gebildetes Fibrin (dient der Abwehr) auflöst, spielen vor allem ein zellwandgebundenes M-Protein und das variabel vorkommende erythrogene Toxin in der Krankheitsauslösung eine Rolle.

Der Streptococcus pyogenes ist als Ursache diverser Krankheiten bekannt. Neben einer Mandelentzündung erleiden befallene Patienten oftmals auch Abszesse im Rachenbereich. Auch Schädigungen oder Ausschlag der Haut sind als typische Symptome zu nennen.

Einige Pyogenesarten, welche im Vorfeld durch einen Phagen infiziert worden sind, haben die Möglichkeit das erythrogene Toxin zu bilden. Dieses Toxin löst bei einer Infektion die bekannte Krankheit Scharlach aus. Hierbei tritt neben einer Mandelentzündung ein Hautausschlag im Mundbereich auf. Häufig verfärbt sich die Zunge im Krankheitsverlauf in ein tiefes rot (Erdbeer- oder Himbeerzunge).

Besonders gefährlich stellen sich die Folgeerkrankungen einer nicht ausgeheilten Infektion mit den pyogenes Streptokokken dar. Neben akutem rheumatischem Fieber mit Schädigung der Herzklappen ist hier vor allem die akute Glomerulonephritis (Nierenentzündung) zu nennen, welche zur Zerstörung der Nieren führt.

Streptococcus agalactiae

Der Streptococcus agalactiae betrifft circa jede fünfte Frau, welche diesen als stille Trägerin im Vaginaltrakt beherbergt.

Problematisch ist dies, da es im Verlauf einer Geburt zur Infektion des Säuglings kommen kann. Dies führt bei den Kindern zu schweren Infektionen mit Blutvergiftungen, Hirnhautentzündungen oder Lungenentzündungen. Auch nach der Geburt ist eine Kindesinfektion mittels Übertragung durch Betreuungspersonal möglich.
Die Infektion von Erwachsenen stellt sich in der Regel als weniger problematisch dar, wobei auch hier schwere Verläufe mit Hirnhautentzündung, Lungenentzündung, Nierenentzündungen oder Entzündungen der Gebärmutter einhergehen können.

Enterokokken und orale Streptokokken

DarmbakterienDie Enterokokken zählen zur natürlichen Darmflora des Menschen. Infektionen sind hier vor allem dann möglich, wenn die Streptokokken an den falschen Ort gelangen. Dies geschieht bei Entzündungen der Harnwege in Folge einer Schmierinfektion.

Ebenso natürlich treten die Oralstreptokokken auf. Diese finden ihr Vorkommen im Mund- und Rachenbereich. Ihre krankheitsauslösende Kraft gilt als eher gering und betrifft vor allem Patienten, welche ein geschwächtes Immunsystem besitzen.

Streptococcus Pneumoniae (Pneumokokken)

Die letzten großen Vertreter der Streptokokken stellen die Pneumokokken dar. Stämme, welche die krankheitsauslösende Schleimkapsel produzieren, lösen vor allem Lungenentzündungen aus.  Darüber hinaus kann es zur Infektion der Nasennebenhöhlen, des Rachens oder des Mittelohres kommen. Ebenso stellen die Pneumokokken die häufigste Ursache einer Hirnhautentzündung bei Erwachsenen dar.

Dank einer Impfung mit abgetöteten Bakterien kann den schweren Komplikationen einer Pneumokokkeninfektion allerdings gut vorgebeugt werden.

Im nächsten Teil der unsichtbaren Gefahr werde ich euch neben den Staphylokokken (bekannt wegen MRSA) auch die gramnegativen Kokken vorstellen. Es bleibt interessant, also schaut wieder vorbei.

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