Blutgerinnung – Quick, INR, pTT

Viele Patienten in Deutschland werden mittels blutverdünnender Medikamente behandelt. Ein großer Teil dieser Gruppe steht unter kontinuierlicher Kontrolle der Gerinnungsparameter. Doch was genau bedeutet der Quick-Wert? Was sagt die INR aus? Und in welchem Zusammenhang stehen diese Werte mit der pTT?

Wie bereits im ersten Teil zur Blutverdünnung erläutert benötigt vor allem die Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten eine stetige Kontrolle der Gerinnungsparameter. Hierzu stehen dem Arzt verschiedene Laborwerte zur Verfügung, welche Aussagen über den Zustand des Gerinnungssystems liefern.

Quick-Wert

Der Quick-Wert oder auch Thromboplastinzeit (TPZ) ist gleichbedeutend mit der Prothrombinzeit in Sekunden. Hierbei wird die Bildungszeit von Thrombin nach Beginn der Blutgerinnung gemessen.

Schema der Blutgerinnung

Quelle: Doccheck.com

Die Aktivierung des Gerinnungssystems erfolgt dabei mit Gewebsthromboplastin und entspricht somit einer extrinsischen Aktivierung, welche eine Gefäßverletzung imitiert.
Somit lassen sich mittels Quick-Wert die Gerinnungsfaktoren Prothrombin (Faktor 2), Faktor V, VII und X überprüfen.

Die Angabe des Quick-Wertes erfolgt in Prozent. Hierbei wurde der normale, durchschnittliche Quick-Wert in der Bevölkerung mit 100 Prozent angesetzt. Ohne medikamentöse Therapie bewegt sich der Quick-Wert in Bereichen von 70 bis 120 Prozent. Unter Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten sinkt der Quick-Wert. Je nach Erkrankung werden Quick-Werte von 15 bis 36 Prozent angestrebt. Hierbei gilt: Je geringer der Quick-Wert desto schwächer die Blutgerinnung.

International Normalized Ratio (INR)

StoppuhrDie International normalized Ratio ist eine Weiterentwicklung des Quick-Wertes. Da der Quick-Wert laborbezogen ist, tritt vor allem bei der Bestimmung des Wertes durch verschiedene Labore eine Unstimmigkeit auf. Dies ist auf verschiedene Verfahren der Quick-Wert-Bestimmung zurückzuführen.

Um dieses Problem zu umgehen wurde die INR eingeführt. Die INR berücksichtigt die unterschiedlichen Labormethoden zur Bestimmung der Blutgerinnungszeit und wird dabei anhand eines Standard der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ermittelt. Dies ermöglicht einen direkten Vergleich der INR-Werte verschiedener Labore.

Der INR-Wert gibt dabei an wie lange das Blut zur Gerinnung braucht. Die INR von 1 ist mit dem Quick von 100 Prozent als Normalbefund gleichzusetzen. Eine INR von 2 bedeutet, dass das Blut doppelt so lange zur Gerinnung benötigt wie normal. Im Gegensatz zum Quick-Wert ist somit die INR bei einer verlangsamten Blutgerinnung erhöht.
Die Ziel INR hängt ebenfalls von der zu behandelnden Erkrankung ab.  Eine INR von 2 bis 3 deutet auf eine niedrig dosierte Therapie mit blutverdünnenden Medikamenten hin. INR-Werte von 3 bis 4 einer starken blutverdünnenden Therapie.

partielle Thromboplastinzeit (PTT)

Im Gegensatz zur INR und dem Quick-Wert wird mittels der partiellen Thromboplastinzeit die Funktion des intrinsischen Blutgerinnungssystemes ermittelt. Die pTT wird häufig synonym mit der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) verwendet. Die aPTT beschreibt dabei ein leicht verändertes Verfahren zur Bestimmung der PTT.

Der Unterschied in der Bestimmung der Zeiten liegt daher im Auslösemechanismus der Blutgerinnung mittels Phospholipiden, Calciumionen und Aktivatoren. Durch dieses Testverfahren können die Gerinnungsfaktoren V, VIII, IX, X, XI und XII getestet werden.

Die partielle Thromboplastinzeit wird zur Kontrolle der Heparintherapie eingesetzt. Der Normalwert beträgt zwischen 20 und 40 Sekunden. Die Behandlung mit Heparin strebt die Verlängerung der PTT auf das zwei- bis dreifache an.

Blutgerinnung und Blutverdünnung

WundversorgungAbschließend möchte ich darauf hinweisen, dass Eingriffe in das Gerinnungssystem nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Die verlangsamte Gerinnung macht es nötig, dass nach Verletzungen längere Zeit für die Blutstillung eingeplant werden muss.

Bei Schnittverletzungen oder Verletzungen durch Anstoßen etc. sollte eine Kompression der Wunde erfolgen. Im Sinne eines Druckverbandes sollte so für mindestens 5 bis 10 Minuten einer Einblutung  ins Gewebe vorgebeugt werden.

Die Einnahme der blutverdünnenden Medikamente hat unbedingt gewissenhaft und genau nach Angaben des Arztes zu erfolgen.
Auch das Mitführen eines Medikamentenpasses, welcher die aktuellen Gerinnungsparameter sowie den Namen und die Dosierung des blutverdünnenden Präparates enthält ist unbedingt zu empfehlen. Dieser kann im Ernstfall wichtige Informationen zum aktuellen Blutungsstatus liefern.

Für Informationen zur Blutgerinnung und Antikoagulation verweise ich nochmals auf den vorangegangenen Artikel zu diesem Thema.

Ich hoffe euch haben die beiden Artikel zur Blutgerinnung gefallen und freue mich über Feedback, Kommentare und Anregungen hier auf der Seite oder per Email.
Weitere Informationen erhaltet ihr auf den folgenden Webseiten:

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